Das Fahrrad ist kein Sportgerät, aber ein prima Reisemittel – Wolfgang Drechsler Jetlag Salzburg

Das Jetlag in der Salzburger Herrengasse ist ein verstecktes Kleinod! Der Laden mit Wohnzimmer-Flair ist Schauraum für schöne Dinge, insbesondere für Vintagemobiliar, Accessoires und Vinyl. Wolfgang Drechsler führt das Jetlag seit 2007. Wir treffen uns zu einem gemütlichen Vormittag-Get-Together. Drechsler – ein Maxglaner – war einer der ersten Fahrradkuriere in Salzburg. Während seiner Studienzeit ist er für Velofax gefahren. Damals – Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre – ortet er die Hoch-Zeit der Fahrrad-Botendienste. Medien-, und Werbeagenturen, Dentalstudios, Kanzleien, Banken – sie alle zählten zu seinen Kunden. Die Kuriere waren ausgebucht und vollbeschäftigt.

Eine richtig gute Zeit war daszum Radfahren sowieso! Wolfgang empfindet sich als Teil einer Avantgarde, die damals die langen freien Sommer der Studienzeit radelnd auf der iberischen Halbinsel oder in Griechenland verbracht hat. Bis 2000 war Wolfgang da mittendrin und so easy wie möglich das Mittelmeer umradelnd unterwegs. Vorzugsweise ausgestattet mit einem InterRail Ticket und einer guten Zugverbindung direkt nach Porto. Das Mitführen des Rades im Zug hat für die Strecke Salzburg – Porto ganze 10.- Deutsche Mark gekostet. Das Mitnehmen der Räder mit einem Flugzeug war dann mit gelockerten Transportbestimmungen ab 1994 möglich. Da ging es dann für einen Sommer auf Kreta.

Wolfgangs Augen leuchten, wenn er von diesen frühen Radreisen erzählt, gänzlich der Reiselust und dem Erlebnisaspekt frönend. Die Räder auf den ersten Touren in den 1980er Jahren waren laut Wolfgang gefühlte 100kg schwer. Schließlich war im Gepäck die Lederjacke mit dabei, da sie als Kleidungsstück für den Abend unverzichtbar war. Interessant ist, dass RadfahrerInnen aus Holland bereits Ende der 1980er Jahre mit Notizheften, Fotoapparaten und Kilometerzählern die Routen im Alentejo dokumentierten und kurze Zeit später die ersten Fahrrad-Touren-Guides auf den Markt brachten. Der Salzburger Rad-Avantgarde einen Schritt voraus…

Heute radelt Wolfgang hauptsächlich in der Stadt und unternimmt schöne Ausflüge in die umliegenden Seengebiete. Seiner Tochter will er die Radfahrfreiheit auch vermitteln und dann mit ihr radelnd an die frühen Fahrrad-Abenteuer anschließen. Das ist fix und ein schöner Plan finden wir! Bis bald und auf ein Wiedersehen in einem der schöneren Wohnzimmer dieser Stadt.